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Perlen-Pop
• • • • • (bewertet mit 4 von 5 Punkten)
Alle meine Rezensionen ansehen Rezension bezieht sich auf: Real Life (Audio CD) Auf das Debüt-Album der New Yorker Band Joan As Police Woman hat mindestens die halbe Welt gewartet, denn schon die selbstbetitelte EP sorgte für ein angenehmes Prickeln in vielen Ohren. Zusammen mit Ben Perowsky (Drums) und Rainy Orteca (Bass) entwirft Joan Wasser darauf zehn Popsongs, die wie Perlen einer eben zerrissenen Kette vom Hals einer wunderbaren Frau tropfen.
Joan arbeitet seit Jahren mit den verschiedensten Künstlern zusammen. In den 90ern spielte sie bei den Dambuilders, Those Bastard Souls and Mind Science Of The Mind. Sie war mit Jeff Buckley liiert und sang erstmals in der Band Black Beetle. Den meisten dürfte sie durch ihre Auftritte mit den Geschwistern Wainwright und als Violinistin bei Antony And The Johnsons bekannt sein.
Ihre klassische musikalische Ausbildung und Erfahrung spiegelt sich in den ungewöhnlichen Kompositionen und Arrangements der Songs auf "Real Life" wieder. Sie scheinen reduziert und einfach strukturiert zu sein, sind aber sehr detailreich. Nach dem Motto "Beauty is the new Punk" setzt Joan ihre Stimme als gewaltigstes Instrument ein. Die Metamorphose von Melodie und Aussage kanalisiert sich in der Stimmfarbe, die irgendwo zwischen Violett und Sepia schwankt und eine physische Reaktion geradezu herausfordert.
Die Texte sind so poetisch wie eine Messerklinge: ungemein anziehend und faszinierend, aber nicht völlig zu vereinnahmen. In ihrer Unantastbarkeit fixieren sie präzise die immerwährende Kettenreaktion des Menschlichen: Liebe - Leiden - Masochismus - Verlust - Tod - Leben. Sie beinhalten ein individuelles existenzialistisches Alphabet.
Die erste Single "Ride" scheint den Verlauf des Sommers zu skizzieren. Jener exhibitionistischen Jahreszeit, die uns nach außen kehrt und zu einem willenlosen Grillsteak werden lässt. Man ersehnt Licht und Wärme und öffnet sich bedingungslos. Der Song transportiert die saisonale Trägheit und Unmündigkeit des Geistes in Perfektion.
Besonders "I Defy", ein Duett mit Antony, bleibt im Gedächtnis und drängt sich beim Gedanken an "Real Life" in den Vordergrund (How could it be different?). "Anyone" zeigt einmal mehr, wie persönlich und zugleich universell Joans Songwriting ist. Zeilen wie "So try me please/ I'm a better dancer than it seems/ The lightest floating feather is how i feel when i'm with you" sind Sirup und Essig in einem und beschreiben das ewige Dilemma ebenso wie tiefste Erfüllung.
"We Don't Own It" ist Elliott Smith gewidmet. Der Song umkreist diesen phantastischen, genialen Menschen und schafft es tatsächlich, seine funkelnde Seele zu beschwören: "All you know is the way that he made you feel/ He made you feel safe enough to feel at all". Die Essenz! Was bleibt zu sagen?
We're real life. - Beate Waack -
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 18. Juli 2006 |
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